Der Weg

Neue Mitglieder werden im Beisein ihrer Paten in der Kapelle eingesegnet.
Mitglieder der Diakonischen Gemeinschaft feiern den Gottesdienst des Sommerfestes.
Die Teilnehmerinnen des ersten Lehrgangs der Krankenpflegeschule nach bestandenem Examen (1931).

Ein gemeinsames Ziel

Nicht die Gleichheit ihrer Mitglieder eint eine Gemeinschaft, sondern das gemeinsame Ziel. So jedenfalls versteht sich die Diakonische Gemeinschaft, die längst zu einem bedeutsamen Pfeiler der Stiftung Diakoniewerk Kropp geworden ist. Über 140 Mitglieder zählt sie heute: Menschen aus unterschiedlichen Berufen und mit individuellem Lebenshintergrund, die sich alle dem diakonischen Auftrag der Kirche verpflichtet haben.

»Wir sehen uns in der Nachfolge der Diakonissen, die in Kropp über viele Jahrzehnte hinweg hingebungsvoll Dienst taten, und achten dieses Erbe auch als eine Verpflichtung für unser eigenes Tun«, beschreibt Pastorin Barbara Truckses die zentrale Aufgabe dieses Gremiums.

Am Anfang war die Frauenbewegung

Die Wurzeln dieser Glaubens- und Dienstgemeinschaft liegen im 19. Jahrhundert und sind Teil der emanzipatorischen Frauenbewegung. Die Entwicklung führte von der Diakonissenschwesternschaft über die Verbandsschwesternschaft und die Diakonische Schwesternschaft zur Diakonischen Gemeinschaft von heute. Erst sie hat sich gleichermaßen für Frauen wie für Männer geöffnet, die im Dienst der Stiftung Diakoniewerk stehen, unabhängig von ihrer jeweiligen Aufgabe, ihrem Lebensentwurf und ihrem Frömmigkeitsstil. Was sie eint, ist der Glaube an das christliche Menschenbild oder, um einen Kernsatz der Diakonischen Gemeinschaft zu zitieren: »Wir sehen in jedem Menschen ein Ebenbild Gottes mit unverlierbarer und unantastbarer Würde.«

Mitgliedschaft

Wer Mitglied der Diakonischen Gemeinschaft werden will, muss zunächst einen Einführungs- und dann einen Aufnahmekurs absolvieren. Der Aufnahmekurs endet mit der Einsegnung und der Verpflichtung auf das Leitbild der Gemeinschaft. Die Teilnahme am diakonischen Einführungskurs ist inzwischen obligatorisch für alle neuen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und ein permanentes Angebot für langjährige Angehörige des Diakoniewerkes.

Im Rahmen des Einführungs- und Aufnahmekurses werden Kenntnisse vermittelt unter anderem über die biblischen Grundlagen der diakonischen Arbeit und die geschichtliche Entwicklung der Diakonie in Kropp. Barbara Truckses erinnert in diesem Zusammenhang an Theodor Fliedner, den Kaiserswerther Pfarrer und Motor der diakonischen Bewegung. Für ihn galt: Wer diakonisch tätig sein will, braucht Ausbildung. Heute lautet die Devise: Wer eine Ausbildung hat, braucht eine diakonische Motivation. Hierin sieht die Diakonische Gemeinschaft eine ihrer Hauptaufgaben.

Diakonissen

Diakonissen - ein Leben für den Mitmenschen

»Den Weg will ich gehen!«

Ruth Lorek und Edith Caspers, zwei Diakonissen der frühen Stunde.

»Du weiß hoffentlich, was das bedeutet« – diesen Satz werden die beiden Frauen vermutlich häufig gehört haben, als sie in jungen Jahren ihren Wunsch offenbarten. Und tatsächlich: Ruth Lorek und Edith Caspers waren sich der Konsequenzen bewusst, die mit dem Leben als Diakonisse verbunden sein würden. Uneingeschränkt im Dienst der praktischen Nächstenliebe zu leben und zu handeln, genau das war ihr gemeinsames Ziel. »Wir haben uns mit Haut und Haaren dieser Aufgabe verschrieben«, sagt Schwester Ruth, die mit Schwester Edith zu den letzten fünf Diakonissen zählt, die in der Stiftung Diakoniewerk Kropp ihren wohlverdienten Ruhestand genießen.

Hilfe auf 2 und 4 Rädern

Als »meist kurvenreich« beschreibt Schwester Ruth im Rückblick ihre Arbeit. Durch Vermittlung von Gertrud Koch, die von 1910 bis 1958 als Oberin die Schwesternschaft des Mutterhauses Kropp leitete, kam sie Anfang Januar 1944 nach Schleswig-Holstein. Zunächst tat sie in der Pflegestation in Kropp Dienst; dann wurde sie, die ausgebildete Krankenpflegerin, nach Bordesholm in ein Lazarett entsandt. Nächste Stationen waren Norderbrarup, Schleswig, Ascheffel, Friedrichstadt, Kropp und wieder Norderbrarup.

Um rasch zu ihren wechselnden Einsatzorten zu gelangen und bei ihrem großen Arbeitspensum flexibel zu sein, setzte Schwester Ruth auf moderne Fortbewegungsmittel. Zunächst war sie viele Jahre mit einem Motorrad ausgestattet, später mit einem Pkw. 1978 quittierte sie ihren Dienst, 1985 kehrte sie als Ruheständlerin nach Kropp zurück.

Noch heute hält sie ein Faltblatt in Ehren, das ihr 1935 beim Eintritt in das Diakonissenmutterhaus »Lutherstift« in Frankfurt an der Oder überreicht worden war. Der vierseitige Text informiert detailliert über die Bedingungen und Regeln für den diakonischen Dienst der Schwesternschaft. Er wird eingeleitet von einer Präambel, in der es unter anderem heißt: »Diakonissen sind Dienerinnen des gekreuzigten und auferstandenen Heilandes Jesus Christus an Kranken, Armen, Kindern und allen der Erziehung und Pflege Bedürftigen, sonderlich an den Gliedern seiner Gemeinde. Sie tun ihren Dienst in Dankbarkeit für die Liebe dessen, der sein Leben für uns gelassen hat, und dessen Barmherzigkeit sie an der eigenen Seele erfahren haben.«

Im Dienste der Kranken

Auch für Schwester Edith ist die Diakonische Gemeinschaft zur Heimat geworden. Edith Caspers, 1920 in Schleswig geboren, hatte sich als junges Mädchen von der Begeisterung ihrer Freundin anstecken lassen. Diese hatte von dem segensreichen Wirken des Diakoniewerkes Kropp berichtet und damit Ediths Augenmerk auf diese Stätte des Helfens, Heilens und Tröstens gelenkt. 1937 trat sie in deren Dienste. Dem Besuch der Krankenpflegeschule schlossen sich erste Einsätze in Kropp und in Meldorf an. Daraufhin war sie sechzehn Jahre lang als Ambulanzschwester in Schleswig tätig, bevor sie erneut eine Aufgabe in der Psychiatrie des Diakoniewerkes übernahm.

Nach zwanzig Jahren als Gemeindeschwester im Raum Kropp ging Schwester Edith 1985 in den Ruhestand, allerdings nicht ohne eine neue, ehrenamtliche und – wie sie hinzufügt – ehrenvolle Aufgabe zu übernehmen. Bis 1995 betreute sie als Küsterin die Kapelle des Diakoniewerkes in der Johannesallee.

Schwester Edith und Schwester Ruth blicken mit einem Gefühl der Dankbarkeit und der Zufriedenheit auf ihre aufopferungsvolle Tätigkeit in verschiedenen diakonischen Arbeitsbereichen zurück. Dabei hat sie die Diakonissentracht ihr Leben lang begleitet. »Und wir werden sie auch bis zum Ende unseres Weges tragen.«

Kontakt