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Wenn der Glaube Berge versetzt...

Das Lebenswerk von Johannes Paulsen, Gründer der »Kropper Anstalten«

Glauben und Handeln, Überzeugung und Tat – im Leben von Johannes Paulsen gingen Inspiration und Entschlusskraft stets Hand in Hand. Kein Wunder, immerhin entstammte er einer christlichen Lehrerfamilie und wusste seit seiner Kindheit, dass alles Wissen nur dann Wert besitzt, wenn es weitergegeben wird und zur aktiven Teilnahme erzieht.

Geboren am 18.3.1847 in Witzhave / Stormarn, entscheidet sich Paulsen unmittelbar nach dem Abitur für das Studium der Theologie, das ihn nach Tübingen und Berlin führt, bis er schließlich 1870 im Schleswiger Dom zum Pastor ordiniert wird. Nach der Hochzeit mit Maria Lund, einer früheren Nachhilfeschülerin, wird er 1872 als Pastor in Kropp eingeführt – ein Ruf, der für den jungen Mann zur lebenslangen Berufung wird.

Ein großer Bedarf an Seelsorge

Paulsen weiß bereits frühzeitig, dass er mehr tun möchte als predigen. Angesichts der sozialen Missstände sieht er sich zum Handeln aufgerufen. Schon bald bemüht er sich um die Ausbildung von Diakonen (Volksmissionaren), deren Aufgabe es ist, zu predigen, zu unterrichten und der Bevölkerung christliche Werte zu vermitteln. Zunächst nur auf 20 Dörfer beschränkt, gehen die Diakone nach kurzer Zeit in ganz Schleswig-Holstein dieser Tätigkeit nach.

Unter dem Eindruck der großen Auswanderungsbewegung ruft Paulsen kurze Zeit darauf eine weitere Einrichtung ins Leben, die fortan zur Schnittstelle vieler seiner Projekte wird: das Predigerseminar. Fast 50 Jahre existiert es und 472 Pastoren bildet es aus. Ihnen kommt die Aufgabe zu, die zahlreichen deutschsprachigen Gemeinden in den USA und Kanada seelsorgerisch zu begleiten und zu betreuen. Einige wenige dieser Pastoren verschlägt es auch nach Mexiko, Peru, Brasilien, Indien und Australien. Mehrfach in seinem Leben unternimmt Paulsen lange, anstrengende Reisen und überzeugt sich persönlich von der erfolgreichen Arbeit seiner Schüler. Und nicht nur das: Darüber hinaus hält er in Städten wie New York, Philadelphia und Pittsburg auch Gottesdienste.

1881 gründet Paulsen ein sogenanntes »Präparandeum«, worin junge Männer auf den Lehrerberuf vorbereitet werden. Sinn und Zweck dieser Einrichtung ist es, den Lehrern vor Aufnahme des Schuldienstes ein christliches Werteverständnis zu geben. Drei Jahre später erweitert Paulsen die Anlage in Kropp um ein Waisenhaus. Wie überfällig diese Einrichtung ist, zeigt sich binnen kürzester Zeit: »Wir fingen also ganz klein und bescheiden an für die Kinder«, schreibt er später, » um deren dringende Aufnahme gebeten wurde, so zu sorgen, aber kaum war diese Arbeit bekannt geworden, da zeigte sich erst, wie dringend sie war.« Natürlich werden die Kinder auch unterrichtet, und zwar von den Lehrern des Predigerseminars selbst. Ein weiteres Heim, nunmehr für uneheliche Kinder, entsteht 1897. Bis zum Ausbruch des 1. Weltkriegs im Jahr 1914 kann das Engagement für die Jüngsten unter den Notleidenden aufrechterhalten werden.

Hilfe für alte und kranke Menschen

Die »Kropper Anstalten«, wie die Einrichtungen bald genannt werden, machen zunehmend von sich reden und beschäftigen um 1890 bereits mehrere Diakone, die allein für die Missionsarbeit auf dem Land zuständig sind und zu dem Zweck regelmäßig rund 110 Ortschaften besuchen. Im Zuge dieses direkten Kontakts zur Bevölkerung erkennt Paulsen bald auch den Bedarf für weitere Hilfsangebote wie etwa das eines Altenheim. 1891 wird es gebaut – und bestimmt mit seinen Leistungen bis heute einen Arbeitsschwerpunkt des Diakoniewerks in Kropp.

Paulsen setzt sich aber auch für andere Gruppen am Rande der Gesellschaft ein. So zeigt sich nach Errichtung von »Bethesda«, einem Heim für geistig verwirrte Menschen, wie groß der Bedarf an solchen Heimplätzen ist, sodass bis 1900 sieben weitere dieser Anstalten gebaut werden. Ebenso entsteht ein Heim für Menschen mit gestörtem Sozialverhalten.

Rettung in letzter Not

Im Jahr 1900 zählen die Anstalten des Diakoniewerks Kropp 25 Häuser mit rund 500 zu betreuenden Klienten und Schülern sowie zahlreiche Werkstätten und andere Gebäude. Mit anderen Worten: ein komplexes und personalintensives Netzwerk war entstanden – und entsprechend auch ein teures. Insbesondere die Expansion in den neunziger Jahres des 19. Jahrhunderts zehrt die Finanzdecke der Kropper Anstalten auf und führt fast zum Konkurs der Einrichtungen. Nur dem Juristen Dr. Friedrich Wittern, einem Cousin von Paulsen, ist es zu verdanken, dass eine Insolvenz abgewendet und eine Auffanggesellschaft gegründet werden kann.

Auch wenn Johannes Paulsen fortan die finanziellen Angelegenheiten anderen überlässt, bleibt er dem Diakoniewerk bis zu seinem Tod 1916 treu. Sein Ideenreichtum und seine Durchsetzungskraft prägen bis zum heutigen Tag das Leitbild der Stiftung Diakoniewerk Kropp, die den Menschen in seiner von Gott gegebenen Individualität in das Zentrum ihres Wirkens stellt.

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