Mein Jahr in Zoar: FSJ-lerin Cara Ströbel berichtet

9. Mai 2017

v.l. Cara Ströbel und Inge Hinrichsen

Mein Jahr in Zoar
Im Jahr 2015 habe ich in Husum mein Abitur gemacht. Was ich im Anschluss daran gerne machen möchte, war für mich recht früh klar. Ich möchte Psychologin werden. Dies bedeutet fünf Jahre Studium und im Anschluss eine dreijährige Psychotherapeutenausbildung – also ein langer Weg…

Jedoch habe ich entschieden, nach dem Schulabschluss nicht direkt ins Studium zu starten, sondern zunächst etwas praktische Erfahrung sowie Einblicke in den psychischen/psychiatrischen Bereich zu sammeln. Da ich mich zudem gerne sozial engagieren wollte, habe ich die Entscheidung getroffen, mit einem Freiwilligen Sozialen Jahr (FSJ) zu starten und habe glücklicherweise beschlossen, dieses Jahr im Wohnheim Zoar I zu verbringen.

Aus dem Leben lernen
Im Wohnheimalltag habe ich die Mitarbeiter unterstützen können, für einen reibungslosen Tagesablauf zu sorgen: ob als zusätzliche Begleitung für Bewohnerinnen, beim Reagieren auf Klingelkonzerte an der Wohnheimtür, der Lebensmittelbestellung oder sonstigen anfallenden „Kleinigkeiten“. Außerdem habe ich den Bewohnerinnen zusätzliche Spiel- und Bastelangebote geboten. Im Rahmen dessen sind unter anderem ein Bewohneradventskalender, eine Weihnachtsbäckerei, diverse Schutzengel, Osterkörbchen und eine Freizeiterinnerung entstanden.

In dieser Zeit haben wir häufig und viel zusammen lachen können, doch auch ein weiteres, offenes Ohr für Gespräche konnte ich das ein oder andere Mal bieten. Ich habe in diesem Jahr sehr viel dazulernen dürfen: Neuaufnahmen, Entlassungen und auch Verlegungen waren dabei. Ich durfte anstrengende, aber vor allem auch viele schöne Momente miterleben. Als ganz besondere Erlebnisse wären zum Beispiel der Christkindlmarkt, die Weihnachtsfeier, das Sommerfest und die Campingfreizeit in Aschau zu nennen.

Vorbildlich fortgebildet
Sehr eindrucksvoll war für mich auch der Ansatz der Erfahrungsfokussierten Beratung (EfB) – Stimmenhören verstehen, denn ich durfte in dem Jahr miterleben, wie der besondere Umgang mit der Fähigkeit, Stimmen zu hören, die Beziehung des Stimmenhörers zu diesem Thema und damit auch zu seinem Umfeld positiv verändern kann. Einen ganz besonderen Eindruck hat bei mir auch das gesamte Zoar-Team hinterlassen. Das Arbeitsklima ist durch einen freundlichen, humorvollen, vertrauensvollen und freundschaftlichen, aber dennoch professionellen Umgang miteinander geprägt. Dank diesem wurde jeder Tag zu etwas Besonderem, und auch ich, als absoluter Neuling, habe selbst während Krisen keine „Angst“ verspüren müssen.

Darüber hinaus habe ich mich als FSJ-ler vom ersten Tag an vom Team angenommen und nicht als „Kaffeekocher“ abgestempelt gefühlt, was, wie Erfahrungen anderer FSJ-ler zeigen, bei Weitem nicht selbstverständlich ist! Zusätzliche Sicherheit konnte auch die Fortbildung in Professionellem Deeskalationsmanagement (ProDeMa), die auch ich zu Beginn des Jahres besuchen durfte, geben. Wie in den intensiven Fortbildungstagen angekündigt, konnten dank diesem Wissen einige aufkeimende Krisen vermieden werden, sodass die Wichtigkeit des vermittelten Inhalts sehr deutlich wurde.

Danke und auf Wiedersehen!
Für das Vertrauen, das mir sowohl die Bewohnerinnen als auch meine Kollegen entgegengebracht haben, bin ich sehr dankbar, denn nur dadurch war es mir möglich, so viele wertvolle Erfahrungen zu sammeln.
Zusammenfassend kann ich auf jeden Fall sagen, dass mein Freiwilliges Soziales Jahr in Zoar I die beste Entscheidung war. Ich habe sehr viel gelernt, werde diese Zeit, die Bewohnerinnen sowie das Team immer positiv in Erinnerung behalten und werde mich mit Sicherheit das ein oder andere Mal noch dort sehen lassen.
Zunächst heißt es jetzt jedoch für mich au revoir Germany, denn ich habe Mitte September mein Studium in Luxemburg begonnen. Trilingual.

Und vielleicht habe ich danach ja tatsächlich die Möglichkeit, nach Kropp zurückzukehren!? Hier noch ein ganz dickes Dankeschön an alle (inner- sowie außerhalb von Zoar), die diese Erfahrung ermöglicht haben!

Cara Ströbel

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