ProDeMa steht für professionelles Deeskalationsmanagement!

3. September 2015

Gruppenbild
v.l. Alexandra Jestrimsky (zzt. in der Trainerausbildung), Trainer Marco Thedens und Inge Hinrichsen (Bobik Petersen fehlt)

Wir, das sind Marco Thedens und Inge Hinrichsen, verbinden ProDeMa mit einer Leidenschaft! Es ist eine Bereicherung für die Arbeit! Seit 2008 haben wir dieses Instrument als festen Bestandteil in unsere Arbeit und Konzeption in der St. Ansgar gGmbH implementiert. Gemäß dem Leitbild hat der betreute Mensch ein Recht auf geschultes Personal, das mit seinen unvermeidbaren Spannungs- und Erregungszuständen professionell umgehen kann, und der Mitarbeiter hat im Umkehrschluss ein Recht auf einen sicheren Arbeitsplatz und auf Schulung im Umgang mit hoch angespannten Bewohnern.
Jeder Mitarbeiter ist verpflichtet, eine dreitägige Basisschulung und jährlich ein Refresh zu besuchen und hat somit die Möglichkeit, sich intensiv mit dem Thema auseinanderzusetzen. Die Gruppen sind aus allen Fachbereichen und Professionen bunt gemischt. So trifft Erzieherin auf Verwaltung, Pastoren auf Raumpflege usw. Das macht es so spannend und lebhaft. Wir lernen uns und alle Fachberei- che anders kennen und respektieren. Wir erhalten immer wieder die Rückmeldung, dass die Inhalte den Kollegen Sicherheit in der täglichen Arbeit geben.

Worum geht es uns?
„Eine Welt ohne Gewalt und Aggression wäre etwas Wunderbares!“

Es gibt wohl kaum einen Menschen, der dieser Aussage nicht zustimmen könnte und der nicht das Ziel hätte, mit anderen Menschen friedlich zusammenzuleben oder zusammenzuarbeiten. Doch jeder weiß, dass dies ein unerreichbarer Traum ist. Denn der Mensch reagiert auf eine Vielzahl von Ereignissen und Erlebnissen mit
herausforderndem Verhalten aufgrund der Dynamik der zwischenmenschlichen Interaktion. Wir müssen also akzeptieren, dass es keine gewaltfreie Welt geben kann. Aber in der Art und Weise des miteinander Umgehens lassen sich Lösungsansätze für ein gewaltfreieres Interagieren finden und umsetzen, im privaten sowie im beruflichen Alltag.
Mit dem Deeskalationsmanagement haben wir einen wertvollen Weg gefunden, mit herausforderndem Verhalten umzugehen. Dieser besteht darin, offen und professionell die unvermeidlichen Anspannungen der Bewohner gemeinsam zu bewältigen. Ziel ist es, herausfordernde Verhaltensweisen, hohe Anspannungszustände und Eskalationen, wo immer sie auftauchen, zu verstehen, zu deuten, zu verändern und bestmöglich auch zu vermeiden bzw. zu minimieren und die Bewohner in ihrer inneren Not zu begleiten. Das professionelle Deeskalationsmanagement soll Sicherheit vermitteln und dient dem Arbeitsschutz.
Unsere dreitägigen Schulungen sind in 7 Stufen aufgebaut:

Deeskalationsstufe I
Verhinderung der Entstehung von Gewalt

Deeskalationsstufe II
Veränderung der Sichtweisen und Interpretationen herausfordernder Verhaltensweisen

Deeskalationsstufe III
Verständnis der Ursachen und Beweggründe herausfordernder Verhaltensweisen

Deeskalationsstufe IV
kommunikative Deeskalationstechniken

Deeskalationsstufe V
schonende Abwehr- und Flucht- techniken

Deeskalationsstufe VI
schonende Immobilisation

Deeskalationsstufe VII
kollegiale Ersthilfe

Die Schulungen sind zusammengestellt aus theoretischer Wissensvermittlung, Kleingruppenarbeit, Beispielen aus der Praxis, Situationstraining und schonende Flucht- und Abwehr- Techniken. Die Immobilisation und Fixierung schulen wir meist gesondert für die Mitarbeitenden der geschlossenen Bereiche mit dem Ziel, die Fixierungen soweit wie möglich zu vermeiden.
Besonders ist, dass wir Trainer durch das Institut, das mittlerweile ca. 1.400 Trainer in Deutschland hat, immer auf dem neusten Stand sind und somit das Konzept immer weiter entwickelt wird. Wir treffen uns zum Austausch mehrfach im Jahr auf Regionaltreffen und sind alle miteinander vernetzt.
Wir lernen aus den Erfahrungen und Beispielen. Uns begegnen in den Schulungen verschiedene Möglichkeiten, mit herausforderndem Verhalten, zum Beispiel der fliegenden Kaffeetasse, umzugehen. Wenn wir erlernen, dass diese uns etwas mitteilen will, haben wir eine ganze Menge erreicht. Denn klar ist, dass uns niemand mit seinem Verhalten verletzen will!
Durch die Implementierung dieses Deeskalationsmanagements hat sich in den letzten Jahren die Einstellung und Haltung gegenüber unseren Bewohnern maßgeblich verändert. Ziel ist es immer, im Alltag achtsam und wertschätzend miteinander umzugehen. Die Eskalationen sind gesunken, da alle Mitarbeiter im Alltag auf kleinste Veränderungen in der Mimik, Gestik und Stimmungslage sofort reagieren.
Einen weiteren Erfolg erleben wir durch die Implementierung der kollegialen Ersthilfe nach Übergriffen/Vorfällen. Die Inhalte der kollegialen Ersthilfe schulen wir in allen Basisschulungen und auch in allen Refreshs. Durch die Vermittlung der Basics hat sich die Wahrnehmung erneut verändert, und alle Mitarbeiter wissen, welche Unterstützung sie anbieten können. Wir haben in den Teams dadurch erreicht, dass wir bei kleinsten Auffälligkeiten nach dem Befinden fragen und gegebenenfalls Möglichkeiten der Unterstützung bzw. des Gesprächs anbieten.

Kleingruppenarbeit
Kleingruppenarbeit mit Beispielen aus der Praxis

Weitere Schulungen in Kurzform bieten wir zudem den Mitarbeitern in der DSS/DSK GmbH und den ehrenamt- lich tätigen Kollegen an.
Wir freuen uns, dass auch in dem Bereich von Hesterberg & Stadtfeld in Schleswig großes Interesse an Schulungen besteht. Zusätzlich werden in diesem Jahr zwei Kollegen die Ausbildung zum Deeskalationstrainer (zum Teil mit Spezialisierungen) absolvieren. Mit Spannung erwarten wir die gemeinsame Arbeit mit den neuen Kollegen und hoffen, dass wir unsere Leidenschaft als Trainer und die Erfahrungen aus den Teams der St. Ansgar gGmbH auch in die Hesterberg & Stadtfeld gGmbH übertragen können.
Wir sind froh darüber, in den zurückliegenden Jahren bereits so viel erreicht zu haben, und vor allem danken wir für die Unterstützung und das Vertrauen seitens der Geschäftsführung und des Vorstandes.
Aus der letzten Basisschulung zusammengefasst einige Rückmeldungen:
Ich bin in meiner Haltung zum Bewohner und zu den Wohnsituationen bestärkt worden, mit wenig Angstgefühl, aber Aufmerksamkeit in die Wohngruppen zu gehen.
Ich habe mitgenommen, mehr auf die Kommunikation zu achten, besser zuzuhören und auf das Gesprochene einzugehen und zurückzuspiegeln.
Es wurde nochmals deutlich, wie wichtig das Hineinversetzen in die Situation bzw. in die innere Not des Bewohners ist.
Besonders anschaulich für mich waren die praxisnahen Beispiele und die Darstellung durch Rollenspiele.
Besonders hat mir die angenehme Lernatmosphäre während der drei Tage gefallen. Die Inhalte des Themas waren gut strukturiert und praxisnah doziert.
Hilfreich waren die zahlreichen Beispiele, die dazu anregen, das eigene Verhalten immer wieder zu betrachten und zu reflektieren.

Inge Hinrichsen / Marco Thedens

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