Bevor es eskaliert

Die Betreuung von psychisch kranken Menschen erfordert viel Einfühlungsvermögen und Selbstkontrolle – schließlich gehören emotionale Grenzsituationen hier zum Alltag. Das Deeskalationsmanagement der St. Ansgar gGmbH, Hesterberg & Stadtfeld und des Fachkrankenhauses in Kropp hilft Mitarbeitern und Patienten gleichermaßen.

Situationstraining der verbalen Kommunikationstechniken


Gemäß dem Leitbild von ProDeMa der Stiftung Diakoniewerk Kropp hat der betreute Mensch ein Recht auf geschultes Personal, das mit seinen unvermeidbaren Spannungs- und Erregungszuständen professionell umgehen kann. Gleichzeitig hat auf der anderen Seite der Mitarbeitende das Recht auf einen sicheren Arbeitsplatz und auf Schulung im Umgang mit hoch angespannten Bewohnern / Patienten.

Jeder Mitarbeiter ist verpflichtet, eine dreitägige Basisschulung und jährlich ein Refresh zu besuchen; auf dieser Grundlage hat er die Möglichkeit, sich intensiv mit dem Thema auseinanderzusetzen. Die Gruppen sind aus allen Fachbereichen und Professionen bunt gemischt. So trifft Erzieherin auf Verwaltung, Pastoren auf Raumpflege usw. Gerade diese Durchmischung macht es so spannend und lebhaft. Wir lernen uns und alle Fachbereiche anders kennen und respektieren. Und wir erhalten immer wieder die Rückmeldung, dass die Inhalte den Kollegen Sicherheit und Handlungskompetenz in der täglichen Arbeit geben.


Worum geht es uns?

„Eine Welt ohne Gewalt und Aggression wäre etwas Wunderbares!“

Es gibt wohl kaum einen Menschen, der dieser Aussage nicht zustimmen würde und der nicht das Ziel hätte, mit anderen Menschen friedlich zusammenzuleben oder zusammenzuarbeiten. Doch jeder weiß, dass dies ein unerreichbarer Traum ist. Denn der Mensch reagiert auf eine Vielzahl von Ereignissen und Erlebnissen mit herausforderndem Verhalten aufgrund der Dynamik der zwischenmenschlichen Interaktion. Wir müssen also akzeptieren, dass es keine gewaltfreie Welt geben kann. Aber in der Art und Weise des miteinander Umgehens lassen sich Lösungsansätze finden, die ein gewaltfreieres Interagieren möglich machen, im privaten ebenso wie im beruflichen Alltag.

Mit dem Deeskalationsmanagement haben wir einen wertvollen Weg gefunden, mit herausforderndem Verhalten umzugehen. Der Weg besteht darin, offen und professionell die unvermeidlichen Anspannungen der Bewohner gemeinsam zu bewältigen. Ziel ist es, herausfordernde Verhaltensweisen, hohe Anspannungszustände und Eskalationen, wo immer sie auftauchen, zu verstehen, zu verändern und bestmöglich auch zu vermeiden bzw. zu minimieren. Bei all dem geht es uns darum, die Bewohner / Patienten in ihrer inneren Not zu begleiten. Und natürlich soll ProDeMa Sicherheit vermitteln und den Arbeitsschutz erhöhen.


Unsere dreitägigen Schulungen sind in 7 Stufen aufgebaut:

Deeskalationsstufe I
Verhinderung der Entstehung von Gewalt

Deeskalationsstufe II
Veränderung der Sichtweisen und Interpretationen herausfordernder Verhaltensweisen

Deeskalationsstufe III
Verständnis der Ursachen und Beweggründe herausfordernder Verhaltensweisen

Deeskalationsstufe IV
kommunikative Deeskalationstechniken / verbale und nonverbale Techniken

Deeskalationsstufe V
schonende Abwehr- und Fluchttechniken

Deeskalationsstufe VI
schonende Immobilisation und Fixierungstechniken

Deeskalationsstufe VII
kollegiale Ersthilfe nach Vorfällen, Ereignissen und Übergriffen


Die Schulungen beinhalten theoretischer Wissensvermittlung, Kleingruppenarbeit, Beispiele aus der Praxis, Situationstraining und schonende Flucht- und Abwehr-Techniken. Die Immobilisation und Fixierung schulen wir gesondert für die Mitarbeitenden der geschlossenen Bereiche im Fachkrankenhaus. Ziel ist, durch die verbale Kommunikation die Immobilisation und Fixierungen soweit wie möglich zu vermeiden bzw. zu reduzieren.

Durch die Implementierung dieses Deeskalationsmanagements hat sich in den letzten Jahren die Einstellung und Haltung gegenüber unseren Bewohnern / Patienten maßgeblich verändert. Der Anspruch, im Alltag achtsam und wertschätzend miteinander umzugehen, hat eine noch größere Bedeutung erfahren. Die Eskalationen sind gesunken, da alle Mitarbeitende auf kleinste Veränderungen in der Mimik, Gestik und Stimmungslage sofort reagieren und in den Kontakt mit Patienten / Bewohnern gehen.

Erfolge bei der Ersthilfe

Einen weiteren Erfolg erleben wir durch die Implementierung der kollegialen Ersthilfe nach Übergriffen/Vorfällen. Die Inhalte der kollegialen Ersthilfe schulen wir in allen Basisschulungen und auch in allen Refreshs. Durch die Vermittlung der Grundlagen hat sich die Wahrnehmung erneut verändert, und alle Mitarbeitenden wissen, welche Unterstützung sie anbieten können. Seitdem fragen die Teams in der Regel bereits bei kleinsten Auffälligkeiten nach dem Befinden und bieten gegebenenfalls Möglichkeiten der Unterstützung bzw. des Gesprächs an. Darüber hinaus bestehen Möglichkeiten, über Sitzungen bis zu Therapien bei Traumatherapeuten in einer unbürokratischen Art Hilfe zu leisten.

Für Mitarbeiter in der DSK und ehrenamtlich tätige Kollegen / Praktikanten gibt es übrigens weitere Schulungen in Kurzform.

Einige Rückmeldungen aus der Basisschulung:

„Ich bin in meiner Haltung zum Bewohner und zu den Wohnsituationen bestärkt worden, mit wenig Angstgefühl, aber Aufmerksamkeit in die Wohngruppen zu gehen.“
„Ich habe mitgenommen, mehr auf die Kommunikation zu achten, besser zuzuhören und auf das Gesprochene einzugehen und zurückzuspiegeln.“
„Es wurde nochmals deutlich, wie wichtig das Hineinversetzen in die Situation bzw. in die innere Not des Bewohners ist.“
„Besonders anschaulich für mich waren die praxisnahen Beispiele und die Darstellung durch Rollenspiele.“
„Besonders hat mir die angenehme Lernatmosphäre während der drei Tage gefallen. Die Inhalte des Themas waren gut strukturiert und praxisnah doziert.“
„Hilfreich waren die zahlreichen Beispiele, die dazu anregen, das eigene Verhalten immer wieder zu betrachten und zu reflektieren.“

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