Hier hat jeder eine Stimme

2006 wurde die UN-Behindertenrechtskonvention verabschiedet, und im Jahr 2009 wurde sie in Deutschland ratifiziert. Jetzt hat die Hesterberg & Stadtfeld gGmbH einen Aktionsplan veröffentlicht, der in ihren Einrichtungen die Gleichstellung von Menschen mit und ohne Behinderung festschreibt.

Die Bewohner Jens-Peter Schau (li.) und Dörte Wackernah mit Diakoniewerk-Chef Jörn Engler (re.) und Ralf Christiansen, Bereichsleiter bei der Hesterberg & Stadtfeld gGmbH

Menschen mit Behinderungen sollen dieselben Rechte haben wie alle anderen Menschen auch. Das ist der Kern der UN-Behindertenrechtskonvention von 2006. Deutschland hat dieses Vertragswerk 2009 ratifiziert. Im Alltag umgesetzt ist es jedoch noch lange nicht. Das sagt zumindest Ralf Christiansen, Bereichsleiter bei der Hesterberg & Stadtfeld gGmbH, dem größten Betreiber von Behindertenwohnheimen in Schleswig. Um daran etwas zu ändern, haben er und seine Kollegen nun einen Aktionsplan zur Umsetzung der UN-Konvention erarbeitet. Das haben sie gemeinsam mit den Bewohnern getan – und dies war schon der erste Schritt hin zur Umsetzung. Den Bewohnern die Möglichkeit zu geben, mitzureden und mitzubestimmen, wo immer ihre Belange betroffen sind, das ist der Kern des Aktionsplans. Da geht es um die Freizeitgestaltung ebenso wie um die Einrichtung der Wohnheime und die Wahl des Arbeitsplatzes.

„Dieses Zimmer möchte ich!“

Der Aktionsplan versammelt eine Reihe von Maßnahmen, die in den nächsten vier Jahren umgesetzt werden sollen. „Wir wissen, dass es ein weiter Weg ist“, sagt Jörn Engler, Theologischer Vorstand der Stiftung Diakoniewerk Kropp, zu dem die Hesterberg & Stadtfeld gGmbH gehört. „Wir wollen uns nicht verstolpern, deshalb haben wir die Umsetzung zeitlich abgestuft.“ In vielen Alltagssituationen sei es zwar schon seit vielen Jahren selbstverständlich, die Bewohner in Entscheidungen einzubinden.

Manche Punkte des Aktionsplans seien aber auch echtes Neuland. So soll neuen Bewohnern künftig nicht einfach ein Zimmer zugewiesen werden, sondern sie werden sich selbst verschiedene Wohnheime ansehen können, um dann zu entscheiden, wo sie einziehen möchten. „Es gibt auch Menschen, die hier schon sehr lange leben und die es nicht gewohnt sind, dass man sie fragt. Die müssen lernen, dass sie wirklich ernst genommen werden“, sagt Engler. Auch die Mitarbeiter müssten in Teilen ihr eigenes Selbstverständnis überdenken. „Sie entscheiden nicht für, sondern mit der Gruppe.“

Fachchinesisch? Nein, danke!

Neu wird auch sein, dass die Bewohner in jedem einzelnen Haus einen Beirat wählen, der ihre Interessen vertritt. So- weit erforderlich, sollen den Beiräten Assistenten zur Seite stehen. Schon die Arbeit am Aktionsplan war eine Umstellung. Die Bewohner sollten stets gut verstehen können, worüber geredet wird. Die Experten mussten auf ihren Arbeitsgruppensitzungen also ohne ihre gewohnten Fachbegriffe diskutieren.

Der Aktionsplan liegt nun in zwei Varianten vor – einmal in Expertendeutsch und einmal in einfacher Sprache. Eine Gruppe von Bewohnern um Jens-Peter Schau hat den Aktionsplan auf dem Sommerfest der Hesterberg & Stadtfeld vorgestellt.

Für das Diakoniewerk ist dies ein wesentlicher Schritt zur Umsetzung der Behindertenrechtskonvention. Weitere Schritte werden möglicherweise folgen. Gut möglich, dass demnächst auch ein Aktionsplan für die Häuser am Hauptsitz der Stiftung in Kropp entwickelt wird.

HESTERBERG & STADTFELD

Die Hesterberg & Stadtfeld gGmbH ist entstanden, als Anfang 2011 das Diakoniewerk Kropp gemeinsam mit der Hamburger Stiftung Alsterdorf die Behindertenwohnheime der Fachklinik auf dem Hesterberg und am Stadtfeld übernahm. Seit 2015 ist die Stiftung Diakoniewerk Kropp alleinige Eigentümerin der Hesterberg & Stadtfeld gGmbH. Das Unternehmen hat rund 280 Mitarbeiter, die 330 Bewohner in Schleswig und 30 Bewohner in Eckernförde betreuen. Die Schleswiger Wohnheime befinden sich überwiegend rund um das Gelände der Jugendpsychiatrie am Hesterberg sowie am Mühlenredder.

Ove Jensen, Schleswiger Nachrichten


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